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WLAN in Pankow, Berlin (Meldungen) : Freifunk - eine Problemlösung?
Geschrieben von Steppi am 06.10.2005 21:40:00 (1741 x gelesen)

Wer sich unter dem Begriff „Freifunk“ in diesem Moment ebenso wenig vorstellen kann wie ich, als ich den Begriff zum ersten Mal hörte, sollte an dieser Stelle das Lesen auf keinen Fall abbrechen.

Das Prinzip

Als Freifunk bezeichnet man unter anderem den (lokalen) Datenaustausch zwischen Mitgliedern eines kabellosen Netzwerks ohne dabei auf Strukturen kommerzieller Anbieter zurückgreifen zu müssen. Im Alltag bedeutet das, dass mittels WLAN-Technik (Wireless Local Area Network = kabelloses lokales Netzwerk) ein unsichtbares Netzwerk zwischen den Bewohnern eines abgegrenzten Gebietes geschaffen wird. Die Grenzen verursacht heutzutage noch die Technik.

Ähnlich den LAN-Parties, bei Jugendlichen sehr beliebte Treffen, auf welchen die Computer über Netzwerkkabel miteinander verbunden werden, um dann kostenlos miteinander zu spielen und gegebenenfalls Daten zu tauschen, ist ein Freifunknetzwerk ein Zusammenschluss von Computersystemen. Der große Unterschied liegt in der Art der Verbindung und der Entfernung. Freifunker besuchen ihre Nachbarn nicht mit dem eigenen PC um diese dann zu vernetzen, sie richten gemeinsam eine kabellose Verbindung zwischen den Computern ein.

Open in new window Ziel dieser Bemühungen ist es, die moderne Kommunikation zu demokratisieren und diese kostengünstig und freizügig zu nutzen. Unter allen angeschlossenen Teilnehmern eines solchen Netzwerkes ergeben sich vielfältige Kommunikationsmöglichkeiten. Chats, Telefonate und Videokonferenzen auch mit mehreren Teilnehmern sind kostenlos, Daten, zum Beispiel Arbeitsunterlagen, können schnell und ebenfalls kostenlos an den Kollegen ein paar Straßen weiter geschickt werden. LAN-Parties werden überflüssig, da jeder von zu Hause aus an einem Netzwerkspiel teilnehmen kann. Für viele ein weiterer wichtiger Punkt ist die Möglichkeit, Personen, welche zum Beispiel aufgrund von Glasfaserkabeln keine Flatrate bekommen können, einen schnellen und kostengünstigen Internetzugang zur Verfügung stellen zu können.

In solchen Netzwerken gibt es für gewöhnlich keine oberste Instanz, die den Aufbau und die Nutzungsbedingungen diktiert oder gar die Daten einsieht. Alles wird nahezu basisdemokratisch weiterentwickelt und bestimmt.

Das Netzwerk finanziert sich vorrangig durch den zu leistenden Eigenanteil der Nutzer und durch Spenden für Gemeinschaftsprojekte. Jeder Nutzer muss, um die Funktionsfähigkeit des Netzwerkes aufrecht zu erhalten seine Ressourcen der Gemeinschaft zur Verfügung stellen. Dabei dient ein speziell angepasster Router einerseits als Access-Point für die am Funknetz teilnehmenden PCs und Notebooks, andererseits als Bridge, das heißt er bildet einen Knotenpunkt des Netzes und verbindet somit die in seiner Umgebung stehenden anderen Router. Das bedeutet, dass ein Router beim Nutzer einerseits den Empfang von Daten für seine Zwecke ermöglicht, gleichzeitig aber auch Daten von einem Router, der keinen Kontakt zum Ziel der Daten hat, empfängt und für die Weiterleitung zum Empfänger sorgt. Damit ist es möglich ein dezentrales Netzwerk aufzubauen, das ständig erweitert werden kann.

Normalerweise entsteht um diese Netzwerke eine Community mit vielen persönlichen Kontakten. Gerade der Ausbau und die Weiterentwicklung des Netzwerks schweißt zusammen.

Geschichte des Freifunks in Berlin

Seit 2000 gab es in Berlin erste zaghafte Versuche, kleinere WLAN-Netze aufzubauen. So liegen auch die Anfänge von WLan – Hohenschönhausen in dieser Zeit. Die Technik zur Datenübertragung per Funkverbindung war damals noch neu im Heimanwenderbereich. Demzufolge verhinderten hohe Kosten und geringes Interesse der Leute einen schnellen Erfolg von Freifunknetzen.

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Im Herbst 2002 starteten die Friedrichshainer mit freifunk.net ihre Bemühungen um ein Freifunknetzwerk. Eine 2004 eingeführte, gut durchdachte technische Umsetzung machten sie schnell zum Vorbild in der Freifunk-Szene. Die Hohenschönhausener Community profitiert mittlerweile ebenfalls von dieser Technik. Bereits Ende 2004 wurde das Projekt auf den Nachbarbezirk Weißensee ausgeweitet. In beiden Bezirken besteht – wie auch in Pankow – teilweise das Glasfaserproblem, wodurch WLanHSH/WLanWSE erheblichen Zustrom erhielt. Mittlerweile laufen die Netze in Hohenschönhausen und Weißensee stabil und gewinnen kontinuierlich an Nutzern. Weiterhin wurde viel mit Softwareeinstellungen und dem Antennenbau experimentiert, was zum Teil erst ermöglichte, weit entfernte Nutzer anzuschließen.

Technische Informationen

Ziel der Hohenschönhausener und der Friedrichshainer Freifunker war ein dezentrales Netzwerk, welches ohne Probleme erweitert werden kann und möglichst geringen administrativen Aufwand verursacht. Die Lösung kam von Andreas Tønnesen, der 2004 sein OLSR-Protokoll (pro-active Optimized Link State Routing Protocol) vorstellte. Durch dieses Protokoll ist es möglich so genannte Mesh-Netzwerke (Maschennetzwerke) aufzubauen. Dabei ist der Router – wie oben schon beschrieben – Sender und Empfänger von Daten im Netzwerk zugleich. Er unterhält die Datenkommunikation des am Router angeschlssenen Systems und ermöglicht gleichzeitig den Austausch von Daten zwischen Routern, die keinen direkten Kontakt miteinander haben. Dabei organisiert die Software eines jeden Routers im Netzwerk den aktuell jeweils schnellstmöglichen Datentransport. Das Netzwerk verwaltet sich quasi selbst und kann einfach ergänzt werden. Mit einem Protokoll allein lässt sich aber noch kein Drahtlosnetzwerk aufbauen.

Sven-Ola Tücke von den Friedrichshainer Freifunkern entwickelte eine Firmware (kleine Steuerungssoftware für bestimmte Geräte), die den handelsüblichen und verhältnismäßig preisgünstigen Router Linksys WRT54G für Mesh-Netzwerke ausrüstet.

Mit diesen Routern, der Firmware, selbstgebauten Antennen und einer funktionierenden Community konnte z.B. WLanHSH/WlanWSE in verhältnismäßig kurzer Zeit ein funktionierendes Netzwerk aufbauen. Auf regelmäßigen Treffen wird an der weiteren Gestaltung des Netzwerks gearbeitet.

Möglichkeiten in Pankow Open in new window Auch in Pankow-Zentrum ist dies ein denkbarer Weg, die Glasfaserproblematik zu umgehen und soziale Strukturen im Bezirk zu fördern. Die Initiatoren von DSLnachPankow sind Befürworter eines Community-Netswerks in Pankow und propagieren dies auch schon seit dem Start der Initiative auf der Internetseite, unabhängig von anderen Erfolgen im Bereich der Versorgung Pankows mit Breitbandinternetanschlüssen, denn die Möglichkeiten gehen weit über die Internetanbindung hinaus. Es kam schon häufiger zu einzelnen Interessebekundungen uns gegenüber. Die Mitgliederdatenbank auf freifunk.net zeigt für das Pankower Zentrum ein hohes Potential auf. Den Glasfasergeschädigten aus Weißensee sei schon heute WLanWSE ans Herz gelegt. Bei entsprechendem Interesse am Netzwerk stehen die Chancen auf eine schnelle Eingliederung nicht schlecht.

Es bestehen bereits Kontakte zum Netzwerk in Hohenschönhausen und Weißensee. Der Erfolg dieses Netzwerks spricht dafür, auch in Pankow auf die gleichen technischen Ressourcen zurückzugreifen. Doch es muss davor gewarnt werden im Aufbau eines Freifunknetzwerkes die schnelle Internetversorgung zu sehen. Erfahrungsgemäß ist die Zeitspanne von der Idee zum funktionierenden Projekt verhältnismäßig lang und ich hoffe, dass dieser Artikel gezeigt hat, dass die Möglichkeiten eines Freifunknetzwerkes weit über den Internetanschluss hinausgehen.

Quellen/weiterführende Informationen

●• www.freifunk-bno.de – Die Freifunk-Community in Weißensee und Pankow (und Hohenschönhausen)
●• www.freifunk.net – Magazinartige Internetplattform zum Thema Freifunk

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