DSLnachPankow: Breitbandinitiative für Berlin-Pankow - Kein Breitband in Pankow - Hintergründe [Update_3] - Feature Artikel - Artikel
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Feature Artikel : Kein Breitband in Pankow - Hintergründe [Update_3]
Geschrieben von Steppi am 15.04.2005 01:30:00 (4147 x gelesen)

 Das alte, unzulängliche Pankower Telekommunikationsnetz wurde kurz nach der Einheit wie landauf, landab überall in den neuen Bundesländern mit Steuergeldern modernisiert. Seinerzeit galt die Glasfasertechnik als zukunftsweisend, für die Kupferkabel schien die Zeit abgelaufen. Dann kam das Internet.



Dämpfungsopfer und Glasfaseropfer

Kupferkabel, die jahrzehntelang das Rückgrat der Telekommunikationsinfrastruktur bildeten, haben den Nachteil des Eigenwiderstands, sodass die Impulse mit zunehmender Länge des Kabels immer weiter gedämpft werden, bis schließlich die Informationen nicht mehr verwertbar sind. "Dämpfungsopfer" haben also eine zu lange Leitung bis zu nächsten Vermittlungsstelle (VSt).

Pankows Zentrum wird zwischen Damerowstraße/Breite Strasse, Am Schloßpark/Galenusstrasse bis etwa Kavalierstraße durch die Vermittlungsstelle in Französisch-Buchholz über Kupferkabel mit DSL versorgt.* Im Bereich Stiftsweg/Kavalierstrasse scheint die Dämpfung wirksam zu werden. T-Com lehnt hier offenbar eine Versorgung ab. Wettbewerber der Deutschen Telekom wie Arcor und Versatel verfügen in der Vermittlungsstelle Frz.-Buchholz ebenfalls über Kapazitäten. Sie scheinen nach Informationen in diversen Foren (auch auf DSLnachPankow) auch bereit zu sein, in diesem Grenzbereich noch DSL zu schalten. Aus den Diskussionen sind keine dramatischen Qualitätseinbußen bis hin zur Nicht-Nutzbarkeit des bereitgestellten DSL erkennbar. Besser als eine langsame, wiederholt abreißende, dennoch kostspielige Modem-Einwahlverbindung scheint es allemal.

Glasfaserkabel, auch optische Anschlussleitung (OPAL) genannt, wurde am Anfang der 90er Jahre in einer groß angelegten, steuerfinanzierten Umbauaktion fast im gesamten Pankower Zentrum verlegt. Nicht bekannt ist, ob dabei die alten Kupferleitungen entfernt wurden. Zusätzlich kam möglicherweise eine Multiplextechnologie° zum Einsatz, die ein ins Haus führendes Telefonkabel für mehrere Anschlüsse nutzbar macht. Mancher erinnert sich vielleicht noch an die damit verbundene Rufnummernumstellung an der dritten Stelle, mit Sicherheit aber an den seinerzeitigen Hindernisparcours auf den Fußwegen. Glasfaserkabel sind vom Prinzip her langgezogene Glasfäden, die eine digitale Datenübermittlung mittels optischer Impulse ermöglichen. Vorteile gegenüber den Kupferkabeln, wo die Daten als elektrische Impulse übermittelt werden, sind eine höhere Übertragungsgeschwindigkeit, eine größere Kapazität im Bezug auf den Querschnitt und eine verlustfreie Übertragung. Aber: Glasfaser ist nicht gleich Glasfaser. Die Anfang der 90er Jahre verlegte Glasfaser ist weit weniger leistungsfähig als die moderne Glasfaser und nicht ohne weiteres für (A)DSL nutzbar.

Bereits Ende der 1980er Jahre hatte das amerikanische Unternehmen Bellcore (A)DSL entwickelt, eine Protokollfamilie für den schnellen Datenaustausch. Die Technik basiert aber auf analogen Anschlüssen und Kupferkabel, dass nicht von mehreren Anschlüssen genutzt werden darf (kein Multiplex). Obwohl sich das Potenzial des Internets abzeichnete, vernachlässigte die Deutsche Telekom die DSL-Technologie, weil sie auf den für sie finanziell attraktiveren Ausbau von ISDN via Glasfaser und ihr Produkt BTX setzte. In einem noch nicht liberalisierten Telekommunikationsmarkt verschleppte diese Technologieentscheidung die Entwicklung einer schnelle Datenleitungen voraussetzenden Internetökonomie.

Erst 1999, als in den Fernsehkabel- und Stromnetzen potentielle Konkurrenz für einen schnellen und billigen Internetzugang zu entstehen schien, bot die Telekom eilig ein eigenes DSL unter dem Namen "T-DSL" an, das sie so vermarktete, als handele es sich um eine ISDN-Erweiterung. Die dramatisch höheren Übertragungsgeschwindigkeiten von DSL lösten einen wahren Boom aus. Aussichtslos war DSL aber für Dämpfungsopfer und Kunden auf Glasfaser, die für jede ihrer Einwahlverbindungen ins Internet tief in die Tasche greifen mussten. Obwohl einige Telekomwettbewerber zwar teilweise eigene Netze besitzen, ist am lokalen Verteiler Schluss. Ab hier hat die Deutsche Telekom-Tochter T-Com faktisch ein Versorgungsmonopol, und die Miete kostet. Die Kosten für Glasfaser sind besonders hoch, so dass Wettbewerber selten Anschlüsse auf Glasfaser schalten.

Zusätzlich versäumte es die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP, heute Bundesnetzagentur), die Telekom zu verpflichten, den Internetprovidern den Kundenzugang zum monatlichen Festpreis zu überlassen, sodass die Provider jede Onlineminute des Kunden bezahlen müssen, was schließlich zum Aussterben der Schmalbandflatrates führte. Dies erzeugte einen neuerlichen Kundenschub für das komfortablere DSL - dort wo es möglich war. Kunden, die zu weit von einem lokalen Verteiler entfernt oder per Glasfaser versorgt sind, warten seither auf Alternativen.

Standortnachteile

Für Gewerbetreibende und Freiberufler ist eine Glasfaserregion ein eindeutiger Standortnachteil. Sie sind auf schnelle Internetverbindungen angewiesen, mit einer Schmalbandanbindung verlieren sie bares Geld. Zudem behindert eine fehlende Breitbandinfrastruktur eine moderne Wirtschaftsentwicklung. Geradezu mustergültig ist diese Entwicklung im Pankower Zentrum zu beobachten. Jeder Versuch, Leerstand sowie Billig- und Abverkaufläden zurückzudrängen wird ohne DSL-Versorgung zum Scheitern verurteilt sein. Und das, obwohl der Altbezirk Pankow als attraktives hauptstädtisches Zuzugsgebiet für gut ausgebildete junge Familien über Konsumenten- und Gründerpotential verfügt, das seinesgleichen sucht.

 Man kann die Folie Strukturmängel mit der des DSL-unversorgten Gebietes übereinander legen, sie sind deckungsgleich. Im Pankower Zentrum ist nach unseren Erkenntnissen der DSL-unversorgte Bereich folgender: Florastraße/Wollankstraße/Breite Straße, begrenzt im Südosten und Südwesten durch die S-Bahn-Trassen nach Oranienburg und Bernau, im Norden durch Bürgerpark, Panke und Schlosspark und im Osten durch die Ossietzkystraße/Berliner Straße.

Offenbar wird seit Ende 2003 Pankow durch T-Com auf eine neue, DSL über Glasfaserkabel ermöglichende Technik umgerüstet, außerdem sind offenbar Umbaumaßnahmen wegen der Multiplexer nötig. Rekordverdächtig ist die Umbaugeschwindigkeit nicht, da die Deutsche Telekom bundesweit lediglich 200 Millionen Euro jährlich für die Herstellung einer DSL-Infrastruktur aufwendet. Bislang scheint der Umbau nur in Teilen südlich der Florastraße abgeschlossen zu sein. Wie so oft hüllt sich der rosa Riese in Schweigen, es ist also völlig unklar, wann die Arbeiten zur Versorgung bestimmter Bauabschnitte mit DSL führen werden und wann die Arbeiten flächendeckend abgeschlossen sein werden. Gerüchteweise wird sich Pankow bis 2008 gedulden müssen.

Es gibt außerdem Hinweise in Internetforen, dass ein technologiebedingtes begrenztes Angebot eine hohe Nachfrage nicht wird befriedigen können. Wenn dies stimmt (Ausbau bis 2008, unzureichende Verfügbarkeit, durchschnittliche Netzgeschwindigkeiten) werden Wettbewerber mit eigenen Fest- oder Funknetzen in Pankow fraglos eine attraktivere Wettbewerbsposition vorfinden, als in großen Städten üblich. Zumal sich für Festnetzanbieter (Telefonkabel, TV-Kabel, Stromkabel) durch ohnehin geplante Erdaushubarbeiten bei Straßenbaumaßnahmen wie in der Florastraße die Investitionen verbilligen dürften.

Politische Defizite

 Spätestens an dieser Stelle ist die Lokalpolitik zum Handeln aufgerufen. Viel zulange hat sich das Wirtschaftsamt auf der Beantwortung einer BVV-Anfrage ausgeruht, obgleich die Deutsche Telekom mit dem Hinweis "es werde nachfrageorientiert ausgebaut" in dem der Antwort beiliegenden Schreiben sogar den Weg zum Breitbandausbau aufzeigt. Statt diesen Hinweis aktiv zu kommunizieren und damit eine Nachfrage zu generieren, verstaubte die Antwort beinahe anderthalb Jahre in Aktenordnern.

Fragwürdig ist auch, dass sie sich allein auf ein Schreiben der Deutschen Telekom stützt. Schon im Dezember 2003 war diese aber nicht der einzige potenzielle Anbieter von schnellen Internetverbindungen. Und sich bei alternativen Breitbandversorgungsformen allein auf das von der Deutschen Telekom in besagtem Schreiben angepriesene DSL via Satellit zu beziehen, wirkt auf nicht wenige wie Hohn.

Es mag sein, dass das Bezirksamt bis Ende 2003 keine Notiz davon genommen hat, dass sich wegen der fehlenden DSL-Versorgung Gewerbetreibende beklagten oder Wirtschaftsansiedlungen unterblieben. Es dürfte aber schon seinerzeit nicht der tatsächlichen Situation entsprochen haben. Unbeschadet ihres späteren Niederganges musste der Boom der New Economy 1999/2000 jeder mit wirtschaftlichen Entscheidungen befassten Person vor Augen führen, dass schnelle Datenleitungen auch bei kleinen und mittleren Unternehmen einen bedeutenden Faktor darstellen und standortrelevant sind. Im Februar 2005 ist nun auch die Wirtschaftsförderung des Wirtschaftsamtes Pankow zu der Erkenntnis gekommen, dass sich die mangelnde Breitbandversorgung auf den Wirtschaftsstandort Pankow auswirkt.

Wenn die Pankower Wirtschafstförderung ihrer Verantwortung für die bezirkliche Entwicklung gerecht werden will, muss es jetzt unverzüglich intensive Gespräche mit der Deutschen Telekom sowie ihren Wettbewerbern zur Verdeutlichung des wirtschaftlichen Potenzials des Pankower Zentrums aufnehmen, die zu einem forcierten flächendeckenden Ausbau der Breitbandversorgung im Zentrum des 350.000-Einwohnerbezirks Pankow führen. Es gilt fünf Jahre aufzuholen. (Dokumente in unserem Downloadbereich).

* [Update_2:] Auch über das TV-Kabel wird in diesem Bereich mindestens in Gesobau/Wohnbau Pankow-Wohnungen breitbandiges Internet von Kabel Deutschland zur Verfügung gestellt.

° [Update_3:] Den Auskünften vor Ort tätiger Techniker zufolge, die die Outdoor-DSLAMs herrichten, hat das Pankower Zentrum im Gegensatz zu Französisch Buchholz das Glück, keine Multiplexer zu haben.


credits to Admin & Flora für diesen Artikel

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