DSLnachPankow - Hochgeschwindigkeitsnetz vor dem Start [Update_8 15.12.2006] - VDSL - Artikel
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VDSL : Hochgeschwindigkeitsnetz vor dem Start [Update_8 15.12.2006]
Geschrieben von Flora am 31.07.2006 05:30:00 (7308 x gelesen)

Nun ist die Katze aus dem Sack. Mit Beginn der neuen Fußballbundesligasaison vermarktet T-Com sein Hochgeschwindigkeitsnetz (VDSL) für die sog. Triple Play-Nutzung, also Internet, Telefonie und Fernsehen. Genutzt werden kann es dann in zehn Ballungszentren bundesweit - soweit der Netzausbau bereits abgeschlossen ist. Zu einem Preis, bei dem es schwer fällt, nicht schwach zu werden.

Jetzt heißt der Werbeslogan also Bundesliga powered by T-Com. Ursprünglich sollte das Angebot bereits zur Fußball-WM starten, nicht zufällig waren die zehn im Ausbau befindlichen Städte Austragungsorte. Zu groß waren aber offenkundig die Probleme. Ungeachtet des auch heute ungeklärten Ausbau- und Wettbewerbsstatus' startet VDSL mit der am 11. August beginnenden neuen Bundesligasaison. Das Angebot ist ab dem 2. August 2006 auf der T-Com Bundesligaseite bestellbar, unter der kostenfreien Rufnummer 0800/3305500 (siehe unten Update_7 vom 13.09.2006) können Kunden der T-Com die Verfügbarkeit des konzernintern THS genannten Produktes abfragen. Die Vermarktung soll schrittweise zuerst bei Bestandskunden in den VDSL-Ausbaugebieten erfolgen, die aktiv von T-Com sowie von Premiere, dem Lieferanten der Bundesliga-Fernsehbilder, informiert werden sollen. Auch Premiere hat zur Information über das Angebot eine (kostenpflichtige: 12ct/min) Telefonnummer eingerichtet: 01805/123800.

Neben der Bundesligaliveübertragung sollen zum Start über 70 Fernsehsender mit mehr als 100 Kanälen zur Verfügung stehen. Im Jahresverlauf soll dann das Angebot um Video on Demand, frei wählbare Kameraeinstellungen, zeitversetztes Fernsehen und noch mehr Fernsehsender ergänzt werden, um dem vollmundig vor zweieinhalb Monaten angekündigten T-Home-Angebot zu entsprechen. Gerüchteweise ist ein Start des Gesamtpaketes für den 15. Oktober vorgesehen.

Scheint, als hofften die Telekomgewaltigen, dass die Begeisterung der Fußballweltmeisterschaft ausreichen wird, Kunden tief in ihre Taschen greifen zu lassen:

15,95 Euro für den analogen Telefonanschluss 34,99 Euro für den VDSL-Anschluss 19,95 Euro für das Fernsehangebot (IPTV)

9,95 Euro fallen zusätzlich für eine zubuchbare Telefonpauschale (VoIP) an. In der Hinrunde wird die Nutzung des Bundesligaangebotes nicht berechnet, die Kosten werden auf der Telefonrechnung gutgeschrieben. In der Rückrunde werden dann noch zusätzliche 9,95 Euro fällig - bei zweijähriger Vertragsbindung. Ein Jahresvertrag Bundesliga kostet monatlich 14.95 Euro. Mit über 95 Euro monatlichen Kosten entspricht das Angebot den 100-Euro-Spekulationen, die im Mai dieses Jahres hochkamen.

Frühbucher des Hochgeschwindigkeitsnetzes erhalten einen "Bonus" von 70 Euro: Für die ersten zwei Monate entfällt die Anschlussgebühr für das Hochgeschwindigkeitsnetz. Die einmalige Bereitstellungsgebühr inkl. Hardware soll 99,95 Euro kosten. Derzeit ist aber nicht ersichtlich, ob diese Kosten tatsächlich erhoben werden. Das Angebot geht damit kaum als Schnäppchen durch. Im Gegenteil: VDSL wird vorläufig mit der halben Maximalgeschwindigkeit angeboten. Fairerweise muss man in diesem Zusammenhang aber darauf hinweisen, dass auch die Geschwindigkeit von 25 Mbit mehr als ausreichend für die Inhalte ist.

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Breitbandinteressenten in Gebieten, in denen VDSL der einzige Breitbandzugang ist, zahlen mit einem Monatspreis von rund 55 Euro zusätzlich zum bestehenden Telefonanschluss einen teuren Eintrittspreis in die Breitbandwelt. Bisher gibt es kein Anzeichen, dass über VDSL als reiner Übertragungskanal ohne Leistungen wie IPTV verfügbar sein wird. Dies widerspräche auch dem Telekomansatz, man schaffe mit dem Hochgeschwindigkeitsnetz ein völlig neues Produkt. Die Regulierungsentscheidung steht aber noch aus. So bleibt die Hoffnung, dass in diesen Gebieten Leitungszugänge zu angemessenen Tarifen zur Verfügung gestellt werden müssen.

Die Planungen von T-Com sahen in Berlin einen Ausbaustand von 50 Prozent bis zur Jahresmitte und 90 Prozent am Jahresende vor (Karte). Obwohl jeder Monteurstrupp täglich drei der wunderhübschen neuen grauen Stadtmöbel mit Technologie ausstattet, hört man hier aber skeptische Äußerungen. Weder ist derzeit die Hälfte der Hauptstadt erschlossen, noch sei damit zu rechnen, dass es zum Jahresende dann 90 Prozent seien. Die Ausbauverzögerungen scheinen vor allem an der Technologiezulieferung zu liegen. Teilweise kann die hohe Nachfrage nicht schnell genug befriedigt werden, teilweise sind die Entwicklungen so neu, dass sich die Massenfertigung verzögert hat. Verzögerungen die durch Rechteklärung mit öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten entstanden sind, die auf einer verschlüsselungsfreien Ausstrahlung beharrten, sind vor diesem Hintergrund offenbar nicht wirksam geworden.

Erhebliche Schwierigkeiten bestehen indessen mit der Software aus dem Hause Microsoft, die bereits beim schweizer Telekomkonzern Swisscom zum wiederholten Aufschieben seines TV-Produktes führten. Deshalb beginnt T-Com seinen Netzstart nun statt mit den geplanten 50 Mbit Downstream mit 25 Mbit (5 Mbit Upstream) und mit einem abgespeckten Angebot.

25 Mbit jedoch hat beispielsweise auch O2 ab Oktober für sein gemeinsames Angebot mit Telefonica angekündigt - auf der Basis von ADSL2+ statt VDSL. Anders als bei VDSL ist für ADSL2+ der Aufbau einer neuen Netzinfrastruktur nicht nötig. Versatel bietet heute bereits 20 Mbit via ADSL2+, die Geschwindigkeiten anderer Wettbewerber liegen mit 16 Mbit unwesentlich darunter. Selbst T-Com liefert 16 Mbit via ADSL2+, die für das umfangreiche T-Online-Programmangebot T-Vision ausreichen.

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Ungeklärt ist weiterhin die Wettbewerbssituation des Hochgeschwindigkeitsnetzes. Inzwischen hat sich zwar auch der Bundesrat dafür ausgesprochen, das VDSL-Netz der Deutschen Telekom aus der Regulierung durch die Bundesnetzagentur (BNetzA) zu nehmen und damit die Öffnung für die Wettbewerber auszuschließen. Unverändert aber lehnt die Europäische Kommission die Regulierungsfreiheit ab. Wie letztlich auch die Auseinandersetzung entschieden wird, das jetzt startende Angebot wird definitiv in Teilen der Regulierung durch die BNetzA unterliegen. So können sowohl die Verbindungs- als auch Anschlusskosten kontrolliert werden, die Telefonieangebote sind vorab anzuzeigen.

Damit nicht genug der offenen Fragen: Der Präsident der Bundesnetzagentur Matthias Kurth hat in der vergangenen Woche durchblicken lassen, dass er wenig von der mangelnden Bereitschaft der Deutschen Telekom hält, eine eigenständige Verschlüsselungstechnologie für die IPTV-Übertragungen verwenden zu wollen. Für den Empfang seines VDSL-Angebotes auf Fernsehgeräten bietet T-Com eine Set-Top-Box Media Receiver X300T von Linksys (Cisco Systems) (Foto unten) an. Kurth will vermeiden, dass zukünftig viele verschiedene Boxen für die Nutzung unterschiedlicher Angebote nötig sind. Vorläufig werde er dies dulden, "allerdings nur so lange, bis ein einheitlicher europäischer Standard für die Verschlüsselung von Internet-Fernsehen über DSL gefunden ist", zitiert ihn die Berliner Zeitung vom 25. Juli.

[Update_2 11.08.2006:] Das war wohl nichts. Übers Hochgeschwindigkeitsnetz wird heute kaum ein Zuschauer das Auftaktspiel der Fußball-Bundesliga verfolgen. Vor einigen Tagen schon äußerten Analysten Skepsis an der Einsatzbereitschaft des VDSL-Netzes. Allenfalls 1.000 Nutzer würden am 11. August 2006 IPTV via VDSL empfangen können, las man bei Finanzen.net.

Doch es kommt noch dicker. Die Onlineausgabe der heutigen Süddeutschen Zeitung (SZ) berichtet, dass ganze 43 Haushalte (!) das neue Netz nutzen können. Einen Tag nach den bösen Unternehmenszahlen ist dies die nächste katastrophale Meldung. Immerhin 500 Millionen Euro kostet der Aufbau des VDSL-Netzes in den zehn WM-Städten, in denen die DTAG 3,3 Millionen Nutzer erreichen will. Über die Deutsche Telekom in diesen Tagen schreibt die SZ süffisant: "Das Chaos trägt Magenta".

[Update_3 12.08.2006:] Das war sicherlich eine der schwärzesten Wochen für die DTAG seit langem. Angesichts der miesen Konzernzahlen spekulieren die Medien bereits über ein Stühlerücken in der Vorstandsetage. Dies dürfte nun kaum noch zu vermeiden sein. Denn die Onlineausgabe der Wirtschaftswoche berichtet heute vorab, dass der Chef der Bundesnetzagentur Matthias Kurth die EU-Kommission über seine bevorstehende Verfügung informiert hat, das Hochgeschwindigkeitsnetz der Regulierung zu unterwerfen. Für diesen Fall hat die DTAG Mitte der Woche unter Hinweis auf einen ähnlichen Fall in Australien an ihre frühere Drohung erinnert, dass sie den VDSL-Netzausbau stoppen könnte.

[Update_4 21.08.2006:] Erwartungsgemäß hat die EU-Kommission heute die Regulierungsverfügung (Entwurfsfassung, 140 KB, pdf-Datei) der Bundesnetzagentur für das VDSL-Netz gebilligt. Innerhalb der kommenden drei Wochen soll die Verfügung erlassen werden.

[Update_5 23.08.2006:] Das Hochgeschwindigkeitsnetz ist noch gar nicht richtig in Betrieb, da bekommt T-Com nun auch Zunder von Bürgern, denen die Stadtmöbel vor die Nase gesetzt wurden. Nachdem erst kürzlich seitens T-Com nach einem RBB-Beitrag zugesagt wurde, den penetranten Lärm aus den Wilmersdorfer Kästen binnen Wochenfrist durch Lüftertausch zu reduzieren (RBB Abendschau am 28.07. 2006), gab es nun laut einem Bericht des IT-Nachrichtendienstes Heise die Anzeige einer Immobilienbesitzerin, die in einem solchen Schrank eine Wertminderung ihres Einfamilienhauses sieht.

[Update_6_02.09.2006:]Open in new window Abbildung von drei der vier notwendigen Geräte für die VDSL-Nutzung: Modem, Router und TV-Empfänger. Der Splitter ist nicht abgebildet. Was will uns die Textzeile im Display dieses PR-Fotos sagen? Nirgendwo in Deutschland? Die Berliner Zeitung vom 2.9. 2006 berichtet von aktuell 500 VDSL-Kunden... (Fotoquelle: T-Com)

[Update_7 13.09.2006:] Neue spezielle Telefonnummer bei T-Com für das Produkt T-Home: 0800/311 32 23. Neue Webseite: T-Home.

[Update_8 15.12.2006:] Der Bundesrat hat heute das Telekommunikationsgesetz aus dem Bundestag, mit dem das VDSL-Netz zeitweilig aus dem Wettbewerb genommen wird, passieren lassen. Damit wird es zum 1.1.2007 in Kraft treten und unweigerlich die Klage wegen Vertragsverletzung durch die EU-Kommission vor dem EuGH auslösen. Im Vorgriff auf das Gesetz hat gestern T-Com den von der Bundesnetzagentur geforderten Bitstromzugang ohne das VDSL-Netz angeboten.

Weitere Berichte bei DSLnachPankow zum Berliner bzw. Pankower Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes:

• Telekom muss DSL-Anschlüsse entbündeln • Kein Hochgeschwindigkeitsnetz im Osten Berlins? • Hochgeschwindigkeitsnetz der Telekom in Pankow

Informationen zum Hochgeschwindigkeitsnetz der Deutschen Telekom AG auch im Downloadbereich und im Diskussionsbereich.

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